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Gemacht zu Königen und Priestern


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Gemacht zu Königen und Priestern



Gemacht zu Königen und Priestern


Bevor wir zu unserem Thema kommen, bekennen wir vorweg: Wir hatten uns mit einem unausgereiften Wissen des Themas angenommen. Schon zu Beginn erstaunten wir, welche Wendung die Sache nimmt, auch aufgrund von Diskrepanzeni zwischen dem Textus receptus dem Text von Nestle Aland (einschließlich dem byzantinischem Mehrheitstext). Eines wird durch die Abweichungen erneut deutlich: Mit den Unterschieden lassen sich dann und wann die ursprünglichen Passagen wieder herstellen. Die wichtigste Voraussetzung dazu ist: Man liegt theologisch richtig, d.h., man schließt oder öffnet mit dem Schlüssel der Wahrheit.

In den christlichen Versammlungen der sogenannten offenen und geschlossenen Brüder wird das Lied „Dem der uns liebt“ sehr oft gesungen. Im Liederbuch „Geistliche Lieder“ findet es sich unter der Nummer 126 bei den geschlossenen Brüder, im Liederbuch „Einklang“ der offenen Brüder  unter der Nummer 56. Zudem ist das Lied in „Feiern & Loben“ unter der Nummer 155 verzeichnet. Dieses Liederbruch ist sowohl in den Evanglisch-freikirchlichen Gemeinden als auch in den Freien evangelischen Gemeinden (FeG) im Gebrauch.

Dem, der uns liebt

und uns von unsern
Sünden gewaschen hat
in Seinem Blut und uns
gemacht hat zu einem
Königtum, zu Priestern
Seinem Gott und Vater.
Ihm sei die Herrlichkeit
und die Macht von
Ewigkeit zu Ewigkeit!
Amen, Amen.
Text: Offenbarung 1,5-6;
Musik: Christian Palmer (1811-1875), Julius Löwen 1877


Die Komponisten
Christian Palmer war Musiker und evangelischer Theologe. Ab 1852 lehrte er als ordentlicher Professor in Tübingen praktische Theologie“. Julius Löwen war Kaufmann, der sich später der frühen Brüderbewegung anschloss. Durch Carl Brockhaus, seinem Schwager, gehörte er zu den frühen Mitarbeitern.

Zwei Aufnahmen des Liedes verlinken wir, bei der ersten handelt es sich um ein Solo mit instrumentaler Begleitung, bei der zweiten um einen vierstimmigen Chor ohne Instrumente.

Die Zeilen aus Off. 1,5-6 stehen im Kontext der sieben Sendschreiben.


Das Lied
Nehmen wir den Text des Liedes ein wenig unter die Lupe.

Dem, der uns liebt
Es ist war, der Herr liebt uns. In vielen Texten des Alten und des Neuen Testaments bezeugt er es. Und wer sich lieben lässt, der lässt sich vom Liebenden leiten und zeigt damit an, dass er den liebt, von dem er geliebt wird.  

Und uns gewaschen hat in seinem Blut
Auch das lesen wir häufig in der Bibel, insbesondere in 1. Joh. 1,7: „Und das Blut Jesu Christi reinigt uns von aller Sünde“;  Hebr.9,22 liefert das Fundament: Ohne Blutvergießung gibt es keine Vergebung. Das Blut Jesu musste fließen, damit wir rein werden und rein bleiben.

Und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern
Dazu lesen wir im Brief des Apostels Petrus: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ 1.Petr. 2,9

Nun kennt der Apostel Petrus die Schriften der Torah ziemlich genau und so könnte er bei der Abfassung des zuvor zitierten Verses an die Worte Gottes aus 2. Mose 19 gedacht haben: „Wenn ihr – Israel – fleißig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, so sollt ihr mein Eigentum sein aus allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Kindern Israels reden sollst.“  

Israel soll ein Königreich sein, das aus Priestern besteht, das kann es aber nur, wenn es auf die Stimme Gottes hört und den Bund hält, den Gott mit ihnen geschlossen hatte. Es ist nicht der Bund des Sinai, denn dort ging das Priestertum auf einen einzigen Stamm über, auf Levi, der aber steht für einen anderen Bund, der mit dem „Gesetz Mose“ eingeführt wurde, präziser ausgerückt: Moses Gesetz wurde „nebenein eingeführt“ und strebt von Anbeginn seinem Ablaufdatum entgegen. Der Bund, von dem Gott in 2. Mose 19 spricht, ist der Bund mit Abraham, Isaak und Jakob. Alle drei Patriarchen waren priesterlich tätig, bauten Altäre, opferten Gott und beteten zum HERRN; außerdem taten sie Fürbitte, wie z.B. für Abimelech. Die Patriarchen waren auch Herren und Fürsten. Das hatten die Hethiter gut erkannt als sie Abraham antworteten: „Höre uns, mein Herr! Du bist ein Fürst Gottes unter uns.“ Gleiches gilt für die Frau Abrahams, ihr Name Sarah bedeutet Herrin, Edeldame, Gebieterin; zuvor hieß sie Prinzessin – Sarai.

Vom Bund mit Abraham, Isaak und Jakob lesen wir in 1.Chr. 16: „Er, der Herr, ist unser Gott; … Gedenket ewiglich seines Bundes, des Wortes, das er geboten hat, auf tausend Geschlechter hin, den er gemacht hat mit Abraham, und seines Eides, den er Isaak geschworen hat. Und er stellte ihn Jakob zur Satzung, Israel zum ewigen Bund.“


Könige, König- und Priestertum

Sehen wir uns jetzt die Könige und Priester genauer an und fragen uns: Wen hat Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht? Schau'n wir mal.

Ausgehend von unserem Text aus Offenbarung 1,5-6 untersuchen wir jetzt die nächstliegende Schriftstelle, die aus Offenbarung 5. Johannes sieht jemanden auf einem Thron sitzen, der ein Buch in seiner Rechten hält. Ein starker Engel fragt: Wer ist würdig, das Buch zu öffnen? Es findet sich niemand, weder im Himmel, noch auf der Erde, noch unter der Erde. Johannes weint darüber. Sein Weinen sieht einer der Ältesten und dieser kommt tröstend zu Hilfe und sagt zu Johannes: „Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe, der aus dem Stamme Juda.“ Daraufhin sieht Johannes inmitten der Szene ein Lamm stehen; und genau dieses Lamm nimmt das Buch. Und nachdem es das Buch genommen hatte, fielen vier lebendige Wesen und 24 Älteste nieder vor dem Lamm und singen: „Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen, denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft durch dein Blut aus jedem Stamm und Sprache und Volk und Nation, und hast sie unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen.“

Handelt es sich in Offenbarung 5 um die gleichen Könige und Priester wie jene aus Kapitel 1? Kehren wir zum ersten Kapitel zurück. Dort wird von Jesus gesagt, dass er der Fürst (besser: der Erste) der Könige der Erde sei. Damit wird seine Vorrangstellung gegenüber allen anderen Königen der Erde hervorgehoben. Seine Herrschaft hat er aber noch nicht angetreten, das wird erst in Offenbarung 19 gesehen und vor allem gehört. Eine unzählbare Menge spricht dort mit einer Stimme: „ Der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat die Herrschaft angetreten.“ Dieser Herr ist derselbe wie in Daniel 7,13-14, nur dass er dort nicht Herr genannt wird, sondern als „Sohn des Menschen“ bezeichnet wird und dieser Sohn des Menschen ist der HERR, Gott, der Allmächtige.

Was wir aus Kapitel 1 noch wissen, ist, Johannes spricht stellvertretend für das Kollektiv, wenn er sagt: „Und uns gemacht hat zu einem Königtum ...“. Hier steht nicht: uns gemacht hat zu Königen; den eher individuellen Aspekt finden wir in Offenbarung 5,10: „hast sie zu Königen und Priestern gemacht“ und zwar aus jedem Stamm, jeder Sprache, jedem Volk und jeder Nation. Es gelten die Worte aus Kapitel 5 ebenfalls einem Kollektiv, aber im Unterschied zu den Worten des Johannes in Kapitel 1, wo er sich als Wortführer mit einbindet, sprechen die Ältesten in Kapitel 5 nicht über sich, sondern über Menschen der Erde, die Gott zu Königen und Priestern gemacht hat aus jedem Stamm, jeder Sprache, jedem Volk und jeder Nation.


Wer sind diese Ältesten?

Bereits in Kapitel 4 der Offenbarung sieht Johannes 24 Älteste auf 24 Thronen sitzen. Jeder von ihnen trägt eine goldene Krone auf seinem Haupt. (Wir erinnern uns: Gold steht metaphorisch für Gerechtigkeit.) Die 24 Throne stehen um einen weiteren Thron; und der darauf Sitzende wird mit den Schönheiten zweier Edelsteine verglichen, einem Jaspis und einem Sardis; zudem sieht Johannes noch ein regenbogenfarbiges Gebilde um den Thron. Wir können schlussfolgern: Die 24 Älteste sind Könige, die auf ihren Thronen sitzen und auch der, der in der Mitte der Throne sitzt, ist ein König.

Wer sind nun aber die 24 Könige, die in Abgrenzung zu den Königen der Erde als Älteste bezeichnet werden? Im Griechischen wird für Ältester der Begriff Presbyteros verwendet, 67 mal im Textus receptus und 66 mal im Nestle Aland. Die Verteilung des Wortes Presbyteros im Neuen Testament ist auffällig einseitig. Der Apostel Paulus zum Beispiel verwendet das Wort nur in den Briefen 1.Timotheus, Titus und im Brief an die Hebräer – insgesamt 6 Mal. In der Offenbarung finden wir die Ältesten 12 mal und als Selbstbezeichnung verwendet nur Johannes den Begriff Presbyteros.


Aus dem zweiten und dritten Brief des Johannes
Der Älteste der auserwählten Frau, wörtlich Herrin (deutet u.a. auf Sarah). 2. Joh. 1,1.
Der Älteste dem geliebten Gajus, wörtlich Herr (deutet u.a. Abraham). 3. Joh. 1,1.

Wie wir bereits in den Kommentaren zum 2. und 3. Brief des Johannes ausführen, müssen die beiden Briefe prophetisch gedeutet werden, denn nur dann lässt sich der tiefere Sinn erfassen und ihr finaler Zweck erkennen.

In Bezug auf die Empfänger der beiden Briefe ist Johannes Ältester. Er besitzt eine gewisse Autorität, nicht nur des Alters wegen. Und so schreibt er ihnen ernstlich und doch würdevoll. Der Herrin sagt er: „Nehmt ihn nicht auf!“ Der Satz steht in der Befehlsform. Auch Gajus erhält Befehle, der erste lautet: „Ahme nicht das Böse nach!“ Bekanntlich steht der Befehlsgeber höher als der, der den Befehl ausführen soll, nicht wahr? Johannes ist somit der Schlüssel zur Beantwortung der Frage, wer die Ältesten sind.  

Johannes spielt zudem noch eine Art Doppelrolle. Er ist sowohl der Älteste gegenüber der Herrin und Gajus, aber eben auch einer der 24 Ältesten im Himmel. Das Doppelrollen-Phänomen findet sich an vielen Stellen der Bibel in Bezug auf den HERRN. In der Szene von Offenbarung 5 erkennen wir es bei Johannes, er ist sowohl der Seher als auch einer der Ältesten.

Wenn nun Johannes dem Kreis der 24 Ältesten angehört, so muss er zuvor entrückt worden sein. Die Entrückung kann jedoch nicht in Kapitel 4,2 stattgefunden haben, weil der Kreis der 24 bereits vollständig ist. Alle 24 Älteste sitzen bei der Ankunft des Johannes auf ihren Thronen, das bedeutet, die Throne müssen zuvor aufgestellt worden sein und die Könige Platz genommen haben, gleichwie in Daniel 7,9 berichtet wird. „Ich schaute, bis Throne aufgestellt wurden und ein Alter an Tagen sich setzte.“ Es ist nicht dieselbe Szene wie in Offenbarung 4 oder 5, aber aus Daniel sieben lässt sich unschwer nachvollziehen, dass zuerst die Throne aufgestellt werden müssen, bevor die Edlen ihren Platz einnehmen. Auch in der Szene seiner Ankunft im Thronsaal lässt sich das Doppelrollen-Phänomen erkennen, einerseits gehört Johannes zu dem Kreis der 24 Ältesten, andererseits kehrt er nach seinem Dienst als Brief-Bote zurück zu seinem Auftraggeber.

Und wir gehen nochmals zurück zu Offenbarung 1,5-6. Wir fragen uns, wer spricht: „Dem der uns liebt, und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blut und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater?“ Aus dem Textzusammenhang erkennen wir, es spricht der Älteste, der König Johannes. Und wenn Johannes gemeinsam mit dem Kreis der Ältesten in Offenbarung 5 von den Königen und Priestern der Erde spricht, so steht er mit den anderen 23 in der Hierarchie des von Gott errichteten Königtums über der Herrin und über Gajus und über alle Könige und Priester der Erde.


Gottes Plan verwirklicht sich
Bereits in 1.Mose 19 wollte der Herr, das jeder Israelit König und Priester sei. In Offenbarung 5 aber hat Gott aus allen Nationen, Völker, Stämmen und Sprachen Menschen zu Königen und Priestern gemacht. In Offenbarung 1 hat er ebenfalls Menschen zu Königen und Priestern gemacht, diese aber scheinen nur aus dem Volk Israel zu kommen, denn, vergessen wir nicht, die Offenbarung ist ein jüdisches Buch. Und so fragen wir uns: Sind Christen gemäß Offenbarung 1,5-6 zu Königen und Priestern gemacht worden?

Der Apostel Paulus, der von sich selbst sagte, dass er ein Apostel der Nationen ist, hat uns in keinem seiner Briefe als Könige und Priester bezeichnet. Im Brief an die Epheser wünscht er für uns, dass wir heilig und tadellos seien mögen vor Ihm, unserem Herrn, der uns zur Sohnschaft zuvorbestimmt hat und sich der Gemeinde (Versammlung) als Haupt gegeben hat und uns hat mitsitzen lassen in dem Himmlischen; und das die ehemals Fernen (die Nationen) mitaufgebaut werden zu einer Behausung Gottes im Geist.


Wo aber bleibt das Königtum für die Versammlung?
Die Lösung findet sich in Epheser 5. Paulus schreibt: Denn der Mann ist das Haupt des Weibes, wie auch der Christus das Haupt der Versammlung ist, er ist des Leibes Heiland. Aber gleichwie die Gemeinde dem Christus untergeordnet ist, also auch die Weiber ihren Männern in allem. Ihr Männer liebet eure Weiber, gleichwie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, auf dass er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort, auf dass er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei. Also sind auch die Männer schuldig, ihre Weiber zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer sein Weib liebt, liebt sich selbst. Denn niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, gleichwie auch der Christus die Versammlung. Denn wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinen Gebeinen. „Deswegen wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weib anhangen, und die zwei werden ein Fleisch sein.“
Dieses Geheimnis ist groß; ich aber sage es in Bezug auf Christus und auf die Versammlung.

Wenn die Gemeinde sein Leib ist, ist sie mehr als alle Könige der Erde und auch mehr als die Könige des Himmels - die 24 Ältesten. Sie, die Versammlung, wurde nicht zu Königen und Priestern gemacht, obwohl sie priesterlich dient, obwohl sie königlich handelt. Dieses Geheimnis wird im Buch Esther erzählt, deren Name Stern bedeutet. Dieser Stern weist hin auf die sieben Sterne in seiner Hand und die lässt er nie wieder los.

Es ist wahr, als Einzelne sind wir Kinder Gottes, die aber bald zu Söhnen herangereift sein werden. Wir bilden als Gesamtheit auch: 1. einen Sohn (entweder Ephraim oder Manasse), 2. eine Behausung Gottes (bestehend aus dem unsichtbaren und sichtbaren Teil), 3. einen Leib mit dem Herrn als Haupt und 4. wir sind sein Weib. Alle diese Aspekte blitzen beim Lesen des Briefes an die Epheser kurz auf. Aber von Königen wird nicht gesprochen und auch nicht von Priestern, obwohl, wie zuvor gesagt, wir priesterlich dienen und königlich handeln.


Und jetzt noch eine Ergänzung
Weiter oben haben wir gesagt, dass nur der Apostel Johannes sich selbst als Ältester – Presbyteros – bezeichnet und das ist auch richtig; und doch schrieb ein anderer Apostel über sich, dass er ein Mitältester sei, griechisch: Sympresbyteros. 1.Petr. 5,1: „Die Ältesten, die unter euch sind, ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden des Christus und auch Teilhaber der Herrlichkeit, die geoffenbart werden soll. Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist.“ Herde Gottes unterscheidet sich von der Herde des Guten Hirten. (Wir gehen in diesem Skript nicht weiter darauf ein. Der eine oder andere mag vielleicht der gelegten Spur nachgehen.)

Beim ersten Brief des Apostels Petrus handelt es sich um ein Rundschreiben, es richtet sich an die Auserwählten (nicht an die Fremdlinge) in der Zerstreuung, das sind, so die vorherrschende Meinung, vornehmlich Juden und die haben in ihren Versammlungen Älteste eingesetzt, die die Herde Gottes hüten sollen. In Bezug auf diese Ältesten ist der Apostel Petrus ein Mitältester, griechisch:  Συμπρεσβύτερος. Gleich dem Tüpfelchen auf dem i unser Argumentation, verhält es sich mit der Eigenschaft des Wortes Sympresbyteros, unser i-Tüpfelchen heißt Hapax legomenon, das ist ein Wort, das nur einmal in der Bibel vorkommt und auf die Endzeit deutet, ja, mehr noch, es deutet auf die Zeit nach der Entrückung des Erstgeborenen (bildlich-geistlich durch Ephraim dargestellt). Auch der sprachliche Ausdruck “Herde Gottes” ist ein Hapax legomenon, der ebenfalls auf die Endzeit hindeutet und nur vom führenden Juden-Apostel Petrus verwendet wird.

An dieser Stelle erinnern wir daran, das wir die Briefe des Neuen Testaments in drei siebener Gruppen eingeteilt haben. Die dritte Gruppe wird gebildet aus den sogenannten allgemeinen Briefen. Sie müssen dringendst in „jüdische Briefe“ umbenannt werden, denn nur dann werden die „schwierigen Stellen“ mit einem Schlag verständlich.  

Unsere Ausführungen können wir mit Offenbarung 19 abrunden, denn dort werden die Ältesten, welche Könige sind, von der großen Volksmenge und von der Braut des Lammes unterschieden; eine sehr große Menge spricht ab Vers 1; man stelle sich das vor, Millionen sprechen mit einer Stimme, das erzeugt Gänsehaut pur, nicht wahr? in Vers 6 proklamieren sie den Antritt seiner Herrschaft, die 24 Ältesten beten in Vers 4 Gott an und ab Vers 7 redet nochmals die große Volksmenge; sie kündigen mit großer Freude die bevorstehende Hochzeit des Lammes an, denn auch die Braut hat sich bereitgemacht.


Unser Fazit
Das Lied „Dem der uns liebt“ kann von Gläubigen vor der Entrückung als auch nach der Entrückung gesungen werden, denn im Grundtext steht: der uns gemacht hat zu einem Königtum; und zum Königtum gehört ein Manifest, die Könige der Erde und des Himmels und die Königin; nur das mit dem Priestertum als solches, auch wenn wir priesterlich dienen, scheint nur für jene zuzutreffen, die als Zweitgeborene noch einen Auftrag auf der Erde zu erfüllen haben, bevor der HERR auch sie vor der großen Drangsal, den letzten dreieinhalb Jahren vor seiner Wiederkunft, in Sicherheit bringt. Der priesterliche Dienst findet damit aber kein Ende.



Berlin, den 28. Mai 2026



© Copyright H. Randy Rohrer




i Der Textus receptus liest in Offenbarung 1,6: Könige, der Mehrheitstext (Robinson/Piermont) sowie Nestle Aland lesen: Königtum. Unsere Entscheidung für die Lesart nach NA und dem Byzantinischem Mehrheitstext fußt auf Erkenntnisse, die wir im jahrelangen Studium der Bibel erworben haben und an vielen Schriftstellen liegt es auch auf der Hand. Zum Beispiel lesen wir im Evangelium nach Matthäus 31 mal vom Reich der Himmel, wörtlich: Königreich der Himmel. Dann lesen wir in allen vier Evangelien den Ausdruck „Reich Gottes“, auch hier wörtlich: Königreich Gottes; diesen Ausdruck verwendet auch der Apostel Paulus. Es handelt sich daher um ein allumfassendes Königreich, das die Himmel (Plural) und die Erde einschließt.

In Bezug auf unsere Erkenntnisse möchten wir kurz auf die Geschichte Jakobs eingehen. Rahel hat vier Kinder: Joseph, Benjamin und die Adoptivsöhne Manasse und Ephraim. Allgemein anerkannt ist, dass Joseph ein Schattenbild auf den Messias ist, dem Herrscher Ägyptens. Weniger oder gar nicht bekannt ist, dass Benjamin das Schattenbild für den Überrest Israels abbildet, aus dem auch der Antichrist hervorkommt. Daher ist Benjamin auch der letzte Sohn, der seinen leiblichen Bruder in Ägypten sieht – erkennt – und anerkennt. Manasse und Ephraim dagegen kennen ihren Vater Joseph als Herrscher von Ägypten von Geburt an. Beide Söhne werden von Jakob adoptiert und dadurch in eine höhere Stellung gebracht. Zudem erhalten sie ein Geschenk: ein eigenes Erbteil in Israel. In dieser erhöhten Stellung wird Ephraim zum Erstgeborenen erklärt und Manasse zum Zweitgeborenen; und ganz nebenbei werden Manasse und Ephraim durch die Adoption zu Brüdern Josephs. Und was noch erstaunlich ist, und daran dürfen wir uns ein Beispiel nehmen, Manasse und Ephraim leben weiterhin in Frieden miteinander. Nirgends in der Schrift wird auch nur der Hauch einer Auseinandersetzung erwähnt.  

Auf der allegorischen Ebene, wenn man sie akzeptiert, setzt sich die Versammlung des lebendigen Gottes aus zwei Teilen zusammen, den einen Teil bildet Manasse-West, der die Juden repräsentiert, den anderen Teil bildet Ephraim und der repräsentiert die Nationen. (Sie bilden wahrscheinlich auch die beiden Söhne des Öls aus Sacharja 4,14.)

    Der Ausdruck „Versammlung der Erstgeborenen“ in Heb. 12,23 ist ein Hapax legomenon, das ist ein Wort bzw. sprachlicher Ausdruck, der nur einmal in der Bibel vorkommt und auf die Endzeit hinweist; nur im Brief an die Hebräer wird dieser Term verwendet. Die Erstgeborenen befinden sich bereits im Himmel, als dem Zweitgeborenen gesagt wird, dass er gekommen ist zu dem Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem. Heb.12,18-24. Weiteres über die Erst- und Zweitgeborenen lese man im Skript: Einführung in den Hebräerbrief.   


© Copyright: H. R. Rohrer


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