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Achtung! Man will die Allegorie beerdigen

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Achtung! Man will die Allegorie beerdigen.
Sie aber wird leben in Ewigkeit

  

In einer unserer Meinung nach hässlichen Überschrift auf Jesus.de wird in großen Lettern gleichsam die Parole ausgegeben: „Darum kann es gefährlich sein, die Bibel allegorisch auszulegen,“ sie wollen sagen: Finger weg vom Allegorisieren. Es folgt dann ein Pamphlet von Prof. Horacio E. Lena https://de.wikipedia.org/wiki/Horacio_E._Lona

Nun muss man aber nicht meinen, dass solche unnützen Artikel nur von katholischer Seite her kommen, nein, sie wurden durch leidige Hirten tief in die Herzen evangelikaler Christen eingebrannt, wie man unschwer an der Überschrift des Artikels auf Jesus.de sehen kann. Gleiches findet sich auch in messianischen Gemeinden, dort allerdings aus bitter böser Erfahrung. Und so redet und argumentiert und wettert man gegen jegliche allegorische Deutung.

Nun hat sich auch Martin Luther gegen den Wildwuchs mittelalterlicher Allegoresen gewendet. Er nannte sie Hasenspiele und Narrenwerke und zwar deshalb, weil den Texten eine willkürliche Bedeutung zugesprochen wurde. Martin Luther hat sich zurecht gegen die beliebige Allegorese gewandt, wofür er sich aber sehr wohl stark gemacht hat, ist die christozentrische.

Die Mehrheit der christlichen Experten meiden allerdings das Allegorisieren alttestamentlicher Texte, machen sich erst gar nicht die Mühe, den allegorischen Sinn zu deuten. Sie schleichen bei ihren Predigten wie die Katze um den heißen Brei. Juden im Allgemeinen wollen, dass Christen das Allegorisieren bitte gänzlich unterlassen. Warum ist das so?

Die Allegorie gelangte in der westlichen Kultur, ausgehend von den Griechen, zur höchsten Blüte. Ihre Schönheiten in der Kunst dürfen wir heute noch bewundern. In Verbindung mit biblischen Texten aber drehte man der Allegorie den Rücken zu. Und so wird sie von den Gelehrten stiefmütterlich behandelt oder verunglimpft und/oder zu Staub zertreten. Sie hätten alle schon längst Experten der Allegorie sein sollen, wenn der Herr sie doch zu Predigern seines Wortes berufen hat. Was aber sind sie stattdessen? Pennäler! Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sind sie es noch heute.

Den Wildwuchs von allerlei christlicher Allegoresen initiierten Diogenes und Augustinus, das Ausmaß jüdischer Allegorien lässt sich gar nicht erst beziffern. Beiden Traditionen ist gemein, dass sie viel Unfug produziert haben, die jüdische zum Schaden der Juden selbst und die christliche, v.a. die von Diogenes und Augustinus, ebenfalls  zum Schaden der Juden. Fällt einem da was auf?  


Wenn einer eine Reise tut, dann kann er ...
von ihr soeben zurückgekehrt, sich bewusst werden, die Juden, auch die messianischen, stehen einem Problem gegenüber, deshalb ziehen sie gegen die Substitutionstheologie und gegen die Allegorie zu Felde. Es geht ans Eingemachte, denn die Ersetzungstheologen behaupten, die Gemeinde (Kirche) habe Israel ersetzt; und weil Diogenes und Augustinus genau das in ihren Allegoresen zum Ausdruck brachten, lehnen sie jegliche christliche Allegorese ab. Es scheint, wer der Allegorie auch nur einen Spaltbreit die Tür öffnet, der wird entweder ignoriert oder bekämpft.


Nichtsdestotrotz: Wir plädieren für Waffengleichheit
In der endzeitlichen Auseinandersetzung gilt es, sich mit allen Waffen auszustatten, die vornehmste und wichtigste ist der Gürtel der Wahrheit. Sollte dann einer der Gegner uns mit seinem allegorischen Erguss weismachen wollen, was der Text bedeutet oder auch nicht bedeutet, dann können wir ihn mit unserer geschärften allegorische Waffe getrost entgegentreten. Spätestens dann, wenn die Fetzen fliegen, werden sowohl die christlichen als auch die messianischen Pennäler aufwachen und nachsitzen müssen, um ihre Kurse in Sachen Allegorie aufzufrischen oder nachzuholen.


Am Schlamassel sei der Apostel Paulus schuld?
Nun wird von gewissen Kreisen dem Apostel Paulus unterstellt, er habe die  Substitutionstheologie angestoßen, als er den Galatern erklärte, die Bündnisse mit Hagar und Sarah sind allegorisch zu deuten. Auch das ist Unfug. Tatsächlich erklärt der Apostel Paulus, dass der Bund mit Hagar auf das irdische Jerusalem zu deuten ist und der Bund mit Sarah auf das himmlische. Und jetzt weitergedacht: Wenn die Bündnisse allegorisch verstanden werden sollen, dann schließt das natürlich auch die Nachkommen mit ein. Und wenn die Bündnisse die Nachkommen mit einschließen, dann gilt das konsequenter Weise auch für die Erzählungen über die Nachkommen. Der Apostel Paulus zeigt uns, wie es geht und macht den Anfang, in dem er den Galatern sagt: dass sie gleich wie Isaak seien, denn sie sind Träger der Verheißung. Wer ist demgemäß Träger der Verheißung? Es sind diejenigen, die damals und eben auch heute an das Evangelium glauben, welches Paulus predigt und zwar den Juden zuerst und als dann den Griechen. Von einer Substitution mittels der allegorischen Deutung kann  hier gar keine Rede sein, ganz im Gegenteil, denn, wie zuvor gesagt, gilt das Evangelium den Juden zuerst und als dann auch den Griechen. Eine zutreffende Allegorese präzisiert, was der Klartext im Alten Testament nur andeutet.  


Schlechte Auslegung: die Erste
Auf der Webseite thetorah.com erhält der Leser einen Einblick in die Interpretationspraxis des rabbinischen Judentums. Wir greifen die Geschichte Simsons heraus, samson-the-demigod, um deutlich zu machen, wie zeitweise dort so absurd interpretiert wird, dass man sich fragt, wie man so etwas annehmen und glauben kann. Beispiel: Simson soll ein Riese gewesen sein mit einer Schulterbreite von 60 Ellen, das wären 60 mal 0,525 cm =  31,5 Meter. Anhand der Proportionen des menschlichen Körpers wäre Simson demnach über 240 Ellen groß, in Metern 126 m. Diese Höhe entspräche in etwa einem Hochhaus von 42 Stockwerken. Das Absurde von dem allem ist, ein solcher Riese soll ein sexuelles Verhältnis mit einer Frau eingegangen sein. Bild: Samson as -Giant


Schlechte Auslegung: die Zweite
Der rabbinischen Interpretation  stellen wir jetzt die Interpretation von Ernst-August Bremicker und Manuel Seibel gegenüber, Simsons-fruehes-wirken, die zwar weniger an Übertreibungen leidet, dafür aber an bösen Unterstellungen krankt. Schon der Buchtitel ist ein Affront: Simson – Glaubensheld & Versager. Sie lassen Simson nicht nur schlecht aussehen, sie charakterisieren ihn als tragische Figur, der dann auch noch gemeinsame Sache mit den Feinden macht.  

In Anbetracht dessen, dass Simson eine allegorische Erzählung auf unseren Herrn hin ist, müsste den Zweien ihre Worte im Halse stecken bleiben. Vielleicht schauen die Abgesonderten mal bei Pfarrer Wilhelm Busch vorbei, wie's besser geht, denn er zitiert Jesus: „Suchet in der Schrift, die von mir zeuget,“ und er fügt hinzu: „So müssen auch die Simson-Geschichten von Jesus zeugen“. sermon-online.com/. Nun denn, wir stellen fest, es war nicht der Heilige Geist, der den Zweien etwas klargemacht hat, denn der Geist redet immer von Jesus, auch im Buch der Richter. Wer Jesus in seinem Wort sucht, dem hat der Herr versprochen, sich finden zu lassen. Bremicker und Seibel haben nicht den Herrn gesucht, dafür aber viel im Spiegel entdeckt.  

Unsere Parole lautet: Wer ihn kennt, erkennt ihn.

Die Allegorie ist die Regentin unter den rhetorischen Stilmitteln; und weil der Bund mit Sarah eine Allegorie ist, müssen wir Sarah auch allegorisch deuten, so wie es der Apostel Paulus tut. Dann werden auch wir erkennen: Wir sind Isaak.  

Nur so ganz nebenbei gefragt: Wie alt wurde Sarah? Wir lesen: „Und das Leben Sarahs war 127 Jahre, das waren die Lebensjahre Sarahs.“1.Mo.23,1. Die Zahl 127 kommt nur noch in einem Buch vor, im Buch Esther. Dort lesen wir im ersten Kapitel: „Und es geschah in den Tagen des Ahasveros (das ist der Ahasveros, der von Indien bis Äthiopien über 127 Landschaften regierte).“ Deuten wir den Bund mit Sarah allegorisch, dann auch ihre Lebenszeit. Folglich muss der Herrschaftsbereich des Königs Ahasveros, der sich über 127 Landschaften erstreckte, ebenfalls allegorisch gedeutet werden. Wir, die Autoren, gehen noch weiter. Wenn die Zahl 127 allegorisch zu deuten ist, dann gilt: Das ganze Buch Esther ist eine umfassende Allegorie. Aus der Summe aller Details ergibt sich, dass das Buch Esther auf die Endzeit deutet und ins 1000-jährige Friedensreich einmündet. Gott nutzt die historische Geschichte der Juden im Medo-Persischen Reich, um die Zukunft Sarahs in Form einer sehr detaillierten Allegorie zu erzählen. Von wegen, Israel wurde von der Ekklesia ersetzt.  

Ob nur Sarah die allegorische Sprache ihres Bräutigams entschlüsseln und verstehen kann?  

Die Allegorie ist also nicht nur christozentrisch, sie beschreibt auch seine Braut. Und noch mehr! Auch der Feind der Menschen – Satan – wird uns u.a. in Jesaja 14 und Hesekiel 28 mittels diverser Allegorien beschrieben. Das allegorische Schauspiel nahm in Eden seinen Anfang und wird auch dort glücklich enden. Der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen wird gefällt und ins ewige Feuer geworfen.  

Nun aber ab zur Schönsten aller Allegorien An einigen winzigen Details darf noch gefeilt werden.


Berlin, den 16. Juli 2026





P.S.: Auch an die Experten: Die Allegorie ist eine selbständige rhetorische Figur, die geschichtliche Ereignisse in bildhafter Form erzählt. Sie ist keine Untereinheit der Typologie, denn diese kann nichts erzählen, sondern zeigt in einem anderen Bild die gleiche Sache an, wie zum Beispiel die Taufe, die ein anderes Bild – Anti-Typos – für die Sintflut ist und vom Tod spricht. Oder nehmen wir die Figur Simsons, sie ist ein anderes Bild für dasselbe, sie ist ein Bild von Jesus, ein Schattenbild des Messias. Die Geschichte aber, die uns in Richter 14 erzählt wird, ist eine Allegorie.



©Copyright by H. Randy Rohrer
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