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Ephraim trauerte viel Tage; und seine Brüder kamen, um ihn zu trösten.

Ephraim, ihr Vater, trauerte viele Tage; und seine Brüder kamen, um ihn zu trösten


  1. Schuthelach - Zusammenstoß (zer- oder abbrechen) des Bruches;
  2. Bered - Hagel
  3. Tachat - der Boden (wie eingedrückt)
  4. Elada - Gott hat geschmückt
  5. Tachat - der Boden, wie eingedrückt
  6. Sabad - Geber
  7. Schuthlach - Zusammenstoß des Bruches
  8. Eser - helfen (Wurzel, umhüllen, schützen, helfen)
  9. Elad - Gott hat bezeugt.



Ephraim trauerte viele Tage; und seine Brüder kamen, um ihn zu trösten. 1.Chr. 7,21

Was war geschehen. In 2.Chr. 7 wird die Genealogie der Stammväter fortgeführt, wie bereits in den vorangegangenen Kapiteln. Für viele Leser sind es langweilige Seiten und werden oft übersprungen oder einfach nur gelesen. Sollten diese Abschnitte in den Bibelstunden einmal vorgelesen werden, was selten genug vorkommt, werden bedauerlicherweise nur jene Verse oder Versabschnitte betrachtet, die in die Genealogie scheinbar so wahllos eingefügt wurden. Das siebte Kapitel beginnt mit den Nachkommen Issaschars, anschließend sind die Abkömmlinge Benjamins gelistet, gefolgt von den Söhnen Νaphtalis, Manasses, bis wir ab Vers 17 von den Nachkommen Ephraims lesen.
Dazu nun den Text aus 1.Chr. 7,20-28:

Und die Söhne Ephraims: Schuthelach; und dessen Sohn Bered, und dessen Sohn Tachath, und dessen Sohn Elada, und dessen Sohn Tachath,und dessen Sohn Sabad, und dessen Sohn Schuthelach; und Eser und Elad.

Und die Männer von Gath, die Eingeborenen des Landes, erschlugen sie; denn sie waren hinabgezogen, um ihre Herden wegzunehmen.

Und Ephraim, ihr Vater, trauerte viele Tage; und seine Brüder kamen, um ihn zu trösten.
Und er ging ein zu seinem Weibe, und sie wurde schwanger und gebar einen Sohn; und er gab ihm den Namen Beria, weil sein Haus im Unglück war.

Und seine Tochter war Scheera; und sie baute das untere und das obere Beth-Horon, und Ussen-Scheera.Und sein Sohn war Rephach und Rescheph; und dessen Sohn Telach, und dessen Sohn Tachan; dessen Sohn Ladan, dessen Sohn Ammihud, dessen Sohn Elischama, dessen Sohn Nun, dessen Sohn Josua. -

Und ihr Besitztum und ihre Wohnsitze waren Bethel und seine Tochterstädte, und gegen Sonnenaufgang Naaran, und gegen Sonnenuntergang Geser und seine Tochterstädte, und Sichem und seine Tochterstädte, bis nach Gasa und seinen Tochterstädten.

Wenn wir Texte lesen, gleich welcher Art, bleiben uns immer besondere Dinge des Gelesenen im Gedächtnis, nicht wahr? Während der Aufzählung der Söhne, der Enkel und der Urenkel stolperten wir in Vers 21 über den Satz: Und die Männer von Gath, die Eingeborenen des Landes, erschlugen sie; denn sie waren hinabgezogen, um ihre Herden wegzunehmen.

Was sind die Söhne Ephraims nach dieser Schilderung? Vielleicht hast du bereits Schlussfolgerungen aus dem Gelesenen gezogen, die gleichen, wie ich sie einmal vor Jahren hörte und wie der Redende es dann auch noch vortrug. Aber ich kann dir versichern, die Söhne Ephraims sind aufrichtige Leute, nur die Übersetzer haben geschlampt, anders kann man es nicht ausdrücken. Beim genauen Studium des Textes viel mir auf, dass die Söhne Ephraims auf einen Zerbruch hindeuten, der sich unter uns, just in unseren Tagen, vollzieht. Der Textabschnitt ist für uns hochaktuell. In der letzten Passage, in Vers 28, erfahren wir etwas über den Besitztum Ephraims und  von welcher Gestalt er sein wird. Ephraim gehört das Haus Gottes – Bethel,  ganz jugendlich und frisch – Naaran, lebt er abgesondert – Geser – und kann sein Erbteil genießen – Geser - und zwar auf den Höhen der Berge – Sichems, sie werden auch Berge Ephraims genannt. Dort wird er sich im Tal (der Erde) als stark erweisen – Gasa.
Das Erbteil Ephraims lässt sich auch mit den Worten Gottes zusammenfassen, denn der Herr hat gesagt: Ich bin Israel zum Vater geworden und Ephraim ist mein Erstgeborener. Jeremia 31,9 Mit dem Erstgeburtsrecht erhält und genießt Ephraim einen besonderen Vorzug.

Wer wollte nun behaupten, die Söhne Ephraims wären Diebe? Völlig ausgeschlossen. Diebe werden von Gott nichts erben. Off.9,21. Was aber ist tatsächlich geschehen, warum haben die Philister die Söhne Ephraims getötet? Den Schlüssel finden wir in dem Wort: Herden, hebräisch Miqneh. Dazu nun das Lexikon:

H4735 מִקנֶה‭ ‬Miqneh‭  ‬N-m.
1. etwas Gekauftes, d.h. Eigentum, aber nur Vieh.
2. (abstrakt) Erwerb.
[von H7069]

H7069 קָנָה‭ ‬qanah‭'  ‬V.
1. aufrichten, d.h. erschaffen.
2. (im weiteren Sinne) zu beschaffen.
3. (insbesondere) kaufen.
4. (ursächlich) zu verkaufen.
5. (implizit) zu besitzen.
   (eine einfache Wurzel)

Die Wortwurzel bestätigt, dass es sich bei den Herden um einen ehrlich erworbenen Besitz handelt und auch durch das Wort Miqneh selbst, das ausschließlich für käuflich Erworbenes verwendet wird, wird uns gesagt: Ephraim ist aufrichtig. Die Herden, welche die Söhne Ephraims holen wollten, gehörten  ihnen und nur ihnen. Werfen wir noch einen kurzen Blick auf das Wort laqach, das in der Elberfelder mit wegnehmen übersetzt wurde.
 
H3947 לָקחַ‭ ‬laqach‭ (‬law-kach‭') ‬V.
nehmen (in den verschiedensten Anwendungen).
[eine einfache Wurzel]

Ein so einfaches uns schnörkelloses Verb, keine weiteren Bedeutungsvarianten sind von Nöten, für einen Schüler ein Wort, dass ihm bei einer Prüfung die halbe Miete einbringt. Aber nein, die Gelehrten müssen daraus unbedingt eine Beschuldigung machen, weil in ihren Augen Ephraim immer mit Bösem in Verbindung zu stehen scheint? Dem Gegenüber steht einsam aber hell strahlend die Übersetzung Martin Luthers von 1546, die uns sowohl dem Wort als auch dem Sinn nach den reinen Glanz des Wortes vor unseren Augen malt.  Alle anderen Übersetzer bezichtigen Ephraim des Diebstahls.

Nach meinem heutigen Studium habe ich mir, was ich sonst nie tue, die Kommentare von Gelehrten einmal angeschaut. Fast jeder von ihnen versucht, den Text nicht einzig von der Bibel her zu interpretieren, sondern verwendet fremdes historisches Material und puzzelt sich eine oft durchaus plausible Erklärung zusammen. Plausibilität mittels außerbiblischer Informationen kann und darf nicht das Kriterium für die richtige Interpretation sein. Gott redet eben oft nicht so, dass sich das Erzählte mit menschlichen Vernunftschlüssen erfassen und erklären lassen würde.

Daher unterbreite ich dem Leser die unterschiedlichen und möglicherweise auch spannenden Interpretationen einiger Gelehrten. Was und wie viel haben sie uns zu erzählen; und das ist dann wirklich spannend, für mich jedenfalls war es das. Nachdem die Kommentatoren zu Worte gekommen sind, werde ich noch ein kurzes Resümee zieh'n. Danach mag dann ein jeder Leser prüfen, welche Interpretation im Kontext der gesamten Heiligen Schrift immer noch Sinn macht.

Kommentare zu 1.Chr. 7, 21 in Übersetzung – Veröffentlicht auf Biblehub.com

Matthew Henry's Kurzer Kommentar
Hier ist weder von Sebulon noch von Dan die Rede. Wir können keinen Grund angeben, warum nur sie ausgelassen werden sollten; aber es ist die Schande des Stammes Dan, dass der Götzendienst in dieser Kolonie begann, die sich in Lais niederließ und Dan genannt wurde, Jud 18, und dort wurde eines der goldenen Kälber von Jerobeam aufgestellt. Dan wird ausgelassen, Re 7. Die Menschen werden abscheulich, wenn sie die Anbetung des wahren Gottes für irgendeinen Zweck der Kreatur aufgeben.

Barnes' Anmerkungen
Die Söhne von Ephraim - Die Genealogie ist schwierig. Es ist vielleicht am besten, Eser und Elead (1. Chronik 7,21) nicht als Söhne Zabads und Brüder des zweiten Schutelas, sondern als natürliche Söhne Ephraims zu betrachten. Der Abschnitt würde dann folgendermaßen lauten:

"Und die Söhne Ephraims, Schuthela (und Bered war sein Sohn, und Tahat, sein Sohn, und Elada, sein Sohn, und Tahat, sein Sohn, und Zabad, sein Sohn, und Schuthela, sein Sohn) und Eser und Elead, die die Männer von Gat erschlugen" (d. h. die sesshaften Bewohner, im Gegensatz zu den nomadischen Hebräern, Amalekitern usw.).

Jamieson-Fausset-Brown Bibelkommentar
21. den die Männer von Gath ... erschlugen usw. - Diese interessante kleine Episode gibt uns einen Einblick in den Zustand der hebräischen Gesellschaft in Ägypten; denn die erzählte Begebenheit scheint stattgefunden zu haben, bevor die Israeliten dieses Land verließen. Der Patriarch Ephraim lebte damals noch, obwohl er ein sehr hohes Alter erreicht haben muss, und das hebräische Volk, jedenfalls seine Nachkommen, behielt noch immer seinen pastoralen Charakter. Es entsprach vollkommen den Vorstellungen und Gewohnheiten der orientalischen Hirten, dass sie einen Überfall auf den benachbarten Stamm der Philister unternahmen, um dessen Herden zu plündern. Denn nichts ist bei ihnen üblicher als feindliche Überfälle auf die Bewohner von Städten oder auf andere Nomadenstämme, mit denen sie kein freundschaftliches Verhältnis haben. Eine andere Sicht des Geschehens ergibt sich jedoch, wenn man statt "weil" die hebräische Partikel "als" sie herabkamen, um ihr Vieh zu holen, wiedergibt; denn der Tenor des Zusammenhangs lässt eher den Schluss zu, dass "die Männer von Gat" die Angreifer waren, die bei einem plötzlichen Überfall auf die ephraimitischen Herden die Hirten töteten, darunter mehrere Söhne Ephraims. Das Unglück verbreitete eine tiefe Finsternis um das Zelt ihres alten Vaters und war der Anlass, dass er von seinen entfernten Verwandten Kondolenzbesuche erhielt, wie es im Orient üblich ist und in der Hiobgeschichte (Hiob 2,11; vgl. Joh 11,19) auf bemerkenswerte Weise dargestellt wird.

Der Kommentar von Matthew Poole
Diese Geschichte ist nirgendwo in der Heiligen Schrift überliefert, wohl aber bei den alten hebräischen Schriftstellern, wenn auch vermischt mit vielen Fabeln. Die Philister (zu deren Städten dieses Gath gehörte) und die Ägypter waren die nächsten Nachbarn; und in jenen alten Zeiten war es üblich, dass sie in das Land des anderen eindrangen und von dort ihre Beute mitnahmen, wie wir sowohl in der Heiligen Schrift als auch bei weltlichen Schriftstellern finden. Und da die Philister wahrscheinlich früher solche Überfälle nach Ägypten und besonders in das Land Goschen gemacht hatten, das der äußerste Teil Ägyptens war, der an das Land der Philister grenzte, so konnten die Israeliten es ihnen in gleicher Weise vergelten; und besonders die Kinder Ephraims, die sich entweder auf ihre Zahl und Stärke verließen oder vielleicht bei ihrem letzten Überfall den größten Schaden von den Philistern erlitten hatten, konnten einen Versuch gegen die Philister zu ihrem eigenen großen Verlust unternehmen, wie hier berichtet wird. Und dies scheint kurz vor der ägyptischen Verfolgung und vor der Herrschaft des neuen Königs geschehen zu sein, von dem Exodus 1,8 berichtet. Die Philister werden hier genannt

die Männer von Gath, entweder weil sie dem König von Gath untertan waren, wie später dieses Volk, oder weil sie in der Nähe von Gath wohnten. Und dieser Satzteil,

die in diesem Land geboren waren, kann mit Nachdruck hinzugefügt werden, als der Grund, der sie in ihrem Kampf mit den Ephraimiten entschlossener und wütender machte, weil sie in und für ihr eigenes Land kämpften, in dem all ihr Reichtum und ihre Sorgen lagen, und gegen diejenigen, die ungerechterweise versuchten, sie aus ihrem Heimatland zu vertreiben.

Gill's Auslegung
Und Zabad, sein Sohn, .... Nicht der Sohn Tahats, des vorletzten, sondern der Sohn Ephraims, ein zweiter Sohn von ihm: und Schuthela, sein Sohn, der Sohn Zabads, genannt nach dem Namen seines Onkels, 1 Chronik 7,20.  und Eser und Elead, zwei andere Söhne Zabads:

Die Männer von Gath, die in dem Lande geboren waren, erschlugen: das sind Zabad und seine drei Söhne; diese Männer von Gath erschlugen die Philister, die daselbst wohnten und ursprünglich aus Ägypten stammten und in dem Lande geboren waren, aber nach Palästina gezogen waren, das seinen Namen von ihnen hatte, von dem Gat eine seiner Städte war; und dies grenzte an das Land Goschen oder war nahe dabei, wo die Israeliten wohnten, und sie überfielen sie und plünderten sie:

denn sie kamen herab, um ihr Vieh zu rauben; und die Söhne und Enkel Ephraims widerstanden ihnen und wurden erschlagen: und daß die Angreifer nicht die Ephraimiter waren, die vor ihrer Zeit aus Ägypten zogen und über die Männer von Gath, die im Lande der Philister geboren waren, herfielen, um sie ihres Landes und ihrer Habe zu berauben, und von ihnen erschlagen wurden, was der Sinn des Targum und anderer jüdischer und christlicher Schriftsteller ist, sondern die Männer von Gath, wie aus diesem Umstand hervorgeht, daß sie

hinabzogen, wie man es tat, wenn man von Palästina nach Ägypten zog, nicht wie man es tat, wenn man von Ägypten nach Palästina zog, dann "zogen sie hinauf"; das wäre der Ausdruck, den man gebraucht hätte, wenn es sich um einen Feldzug der Ephraimiter nach Palästina gehandelt hätte; außerdem ist es nicht vernünftig zu denken, dass die Ephraimiter, die sich mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigten und nicht an den Krieg gewöhnt waren, ein solches Unternehmen unternehmen sollten; sondern vielmehr die Männer von Gat oder die Philister, die ein kriegerisches Volk waren und gerne raubten und plünderten; dies war nach einem gelehrten Chronisten (l) vierundsiebzig Jahre, nachdem Jakob nach Ägypten hinabgezogen war, und einhundertvierzig Jahre bevor die Kinder Israel von dort kamen.

(l) Nic. Abrami Pharus, l. 9. c. 21. p. 242.

Cambridge Bible for Schools and Colleges
21. sie kamen herab] Diese Formulierung passt zu einem Abstieg von den Hügeln Ephraims, aber nicht zu einem Einfall aus Goschen. Es geschah daher wahrscheinlich, nachdem Israel in Kanaan angesiedelt war, d.h. lange nachdem Ephraim tot war, und das Verhalten, das Ephraim in 1. Chronik 7,22-23 zugeschrieben wird, muss von dem Stamm verstanden werden, der in seinem Vorfahren personifiziert ist. Der Stamm Beria trat in Erscheinung, nachdem die Stämme Eser und Elead vom Unglück heimgesucht worden waren.


Pulpit Commentary
Vers 21. - Denn sie - d.h. die Männer von Ephraim - kamen herab, um ihr Vieh wegzunehmen. Das kann man wohl übersetzen: als sie (d.h. die Männer von Gath) hinabkamen (d.h. nach Goschen), um ihr Vieh (d.h. das Vieh Ephraims) zu rauben. 1 Chronik 7:21



Keil und Delitzsch Biblischer Kommentar zum Alten Testament
Die Familien von Ephraim. - 1 Chronik 7:20. Unter den Ephraimitern werden die Nachkommen Schutelas, des Gründers einer der Hauptfamilien dieses Stammes, über sechs Generationen bis zu einem späteren Schutelas zurückverfolgt (Numeri 26,35). Die Namen ואלעד ועזר,‭ ‬die auf‭ ‬בּנו שׁוּתלח‭ ‬folgen,‭ "‬Und sein Sohn Schuthela‭"‬,‭ ‬nach denen‭ ‬בּנו‭ ‬fehlt,‭ ‬sind nicht als Nachkommen des zweiten Schuthela zu betrachten,‭ ‬sondern sind Häupter einer Familie,‭ ‬die mit der von Schuthela übereinstimmt,‭ ‬oder von zwei Vaterhäusern,‭ ‬die eng miteinander verbunden sind.‭ ‬Diese Namen sind als Fortsetzung der Liste der Söhne Ephraims zu verstehen,‭ ‬die mit‭ ‬שׁוּתלח‭ ‬beginnt.‭

Die Endung in והרגוּם‭ ‬bezieht sich auf diese beiden Namen:‭ "‬Die Männer von Gath,‭ ‬die im Lande geboren waren,‭ ‬erschlugen Eser und Elead.‭" ‬Ewald und Bertheau halten diese‭ "‬im Lande Geborenen‭" ‬für die Avviter,‭ ‬die Ureinwohner dieses Landstrichs,‭ ‬die von den aus Kaphtor eingewanderten Philistern ausgerottet worden waren‭ (‬Deuteronomium‭ ‬2,23‭)‬.‭ ‬Aber es gibt keinen ausreichenden Grund für diese Annahme‭; ‬denn es kann kein Beweis dafür erbracht werden,‭ ‬dass sich die Avväer‭ (‬Avvites‭) ‬jemals bis nach Gath ausgebreitet hatten‭; ‬und die Philister hatten den südwestlichen Teil Kanaans schon zur Zeit Abrahams und damit lange vor Ephraims Geburt in Besitz genommen.‭

"Die Männer von Gat, die im Lande geboren sind", sind eher die kanaanitischen oder philistäischen Bewohner von Gat, im Unterschied zu den Israeliten, die sich erst unter Josua in Kanaan niedergelassen hatten. "Denn sie (Eser und Elead) waren herabgekommen, um ihr Vieh zu rauben". Die älteren Ausleger ordnen dieses Ereignis der Zeit zu, als Israel in Ägypten wohnte (Ewald, Gesch. i. S. 490), oder sogar der vorägyptischen Zeit.

Bertheau hat dagegen mit Recht bemerkt, dass die Erzählungen der Genesis nichts von einem Aufenthalt der Stammväter des Stammes Ephraim im Lande Palästina vor der Wanderung Israels nach Ägypten wissen, denn Ephraim wurde in Ägypten geboren (1. Mose 46,20). Es wäre eher möglich, ihn auf die Zeit des Aufenthalts der Israeliten in Ägypten zu beziehen, denn es ist nicht ausgeschlossen, dass die Israeliten von Goschen aus Raubzüge gegen Kanaan unternommen haben; aber selbst diese Annahme ist nicht sehr wahrscheinlich. Wenn es in 1. Chronik 7,23-27, wie Ewald meint, hieße, dass Ephraim nach der Trauer um die getöteten Söhne durch seine Frau Vater von drei weiteren Söhnen wurde, von denen Josua in der siebten Generation abstammte, müssten wir den Feldzug in die vorägyptische Zeit verlegen.

Aber die Meinung, dass Repha und Reschef, 1. Chronik 7,25, erst nach diesem Unglück gezeugt wurden, hat keine Grundlage. Außerdem setzt die Aussage, dass Ephraim, nachdem er über den Verlust seiner erschlagenen Söhne getröstet worden war, zu seiner Frau ging und einen Sohn zeugte, dem er den Namen Beria gab, weil er im Unglück in seinem Haus geboren wurde, keineswegs voraus, dass der Patriarch Ephraim noch lebte, als Eser und Elead erschlagen wurden. Wäre dies der Fall, so würde sich daraus zwangsläufig ergeben, dass dieses Ereignis nur auf die Zeit des Aufenthaltes der Israeliten in Ägypten bezogen werden kann.

Demgegenüber ist Bertheaus Bemerkung, dass das Ereignis in diesem Fall per se rätselhaft wäre, da wir mit Recht große Bedenken hätten, die Annahme eines Krieges oder vielmehr eines Raubzuges auf Vieh, den die Ephraimiten, während sie in Ägypten wohnten, gegen die Bewohner der Philisterstadt Gat unternahmen, anzunehmen, sicher nicht ganz entscheidend, denn wir wissen viel zu wenig über jene Zeit, um die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit eines solchen Zuges beurteilen zu können.

Die Entscheidung, zu der wir in dieser unklaren Angelegenheit kommen müssen, hängt in erster Linie davon ab, wie die Worte וגו ירדוּ‮ ‬כּי‭ ‬zu verstehen sind‭; ‬ob wir übersetzen sollen‭ "‬denn sie waren gegangen‭" ‬oder‭ "‬als sie hinabgezogen waren,‭ ‬um ihr Vieh zu holen‭"‬,‭ ‬d.h.‭ ‬zu plündern.‭ ‬Wenn wir das‭ ‬כּי‭ ‬par partic.‭ ‬ration.‭ ‬nehmen,‭ ‬für weil,‭ ‬können wir nur die Söhne Ephraims,‭ ‬Eser und Elead,‭ ‬für das Subjekt von‭ ‬ירדוּ‭ ‬nehmen,‭ ‬und wir müssen die Worte so verstehen,‭ ‬dass sie hinabgezogen waren,‭ ‬um das Vieh der Gathiter zu rauben.‭ ‬In diesem Fall würde das Ereignis in die Zeit fallen,‭ ‬in der die Ephraimiter in Kanaan wohnten und vom Berg Ephraim in die Niederung Gat hinabstiegen,‭ ‬denn ein Auszug aus Ägypten nach Kanaan ist mit dem Verb‭ ‬ירד‭ ‬nicht vereinbar.
Wenn wir dagegen ירדוּ‮ ‬כּי‭ "‬als sie hinabgezogen waren‭" ‬übersetzen,‭ ‬könnten wir aus den Worten schließen,‭ ‬dass die Männer von Gath nach Goschen hinabzogen,‭ ‬um dort das Vieh der Ephraimitern zu vertreiben,‭ ‬wobei die Gathiter die Söhne Ephraims erschlagen haben könnten,‭ ‬als sie ihr Vieh weideten und gegen die Räuber verteidigten.‭ ‬Viele der alten Ausleger haben die Worte so verstanden‭; ‬aber wir können dies nicht für die richtige Auslegung halten,‭ ‬denn es beraubt die Worte‭ "‬die im Lande Geborenen‭"‬,‭ ‬die in Verbindung mit‭ ‬גת אנשׁי‭ ‬stehen,‭ ‬jeglicher Bedeutung,‭ ‬da an Männer aus Gath,‭ ‬die in Ägypten geboren wurden,‭ ‬gar nicht gedacht werden kann.‭

Wir verstehen daher die Worte so, dass die Söhne Ephraims, die in unserem Vers genannt werden, versuchten, das Vieh der Gathiter zu vertreiben, und dabei von ihnen erschlagen wurden. Aber wie lässt sich die Aussage, dass Ephraim nach diesem unglücklichen Ereignis einen weiteren Sohn, Beria, zeugte, mit einer solchen Annahme vereinbaren, da der Patriarch Ephraim lange vor dem Auszug der Israeliten aus Ägypten gestorben war.

Bertheau versteht die Zeugung im übertragenen Sinne, nämlich des gesamten Stammes Ephraim oder einer kleinen ephraimitischen Familie, die zunächst nicht zu den anderen gezählt wurde, in die Reihe der berühmten Familien dieses Stammes. Aber diese Beanspruchung der Worte durch eine allegorische Interpretation ist nicht ernsthaft zu widerlegen, da sie offensichtlich nur ein Notbehelf ist, um die Schwierigkeit loszuwerden.

Die Worte "Und Ephraim ging hinein zu seinem Weibe, und sie ward schwanger und gebar einen Sohn" sind nicht allegorisch zu deuten, sondern müssen in ihrem eigentlichen Sinn genommen werden; und die Lösung des Rätsels findet sich in dem Namen Ephraim. Wenn damit der tatsächliche Sohn Josephs gemeint ist, ist das Ereignis unverständlich; aber so wie ein Nachkomme Schutelas in der sechsten Generation auch Schutelas genannt wurde, so könnte auch ein Nachkomme des Patriarchen Ephraim, der zu einem viel späteren Zeitpunkt lebte, den Namen des Stammvaters erhalten haben; und wenn wir diese Annahme akzeptieren, ist das Ereignis mit all seinen Problemen leicht zu erklären.

Wenn Eser und Elead vom Gebirge Ephraim nach Gath hinabstiegen, waren sie keine wirklichen Söhne Ephraims, sondern nur spätere Nachkommen; und ihr Vater, der ihren Tod betrauerte, war nicht Ephraim, der Sohn Josephs, der in Ägypten geboren wurde, sondern ein Ephraimiter, der lebte, nachdem die Israeliten das Land Kanaan in Besitz genommen hatten, und der den Namen Ephraims trug. Er mag über den Tod seiner Söhne getrauert haben, und nachdem er über ihren Verlust getröstet worden war, mag er zu seiner Frau gegangen sein und mit ihr einen Sohn gezeugt haben, dem er den Namen Beria gab, "weil es in seinem Haus Unglück gab", d.h. weil dieser Sohn geboren wurde, als Unglück in seinem Haus war.


Resümee
Der eine oder andere Beitrag war zu kurzgehalten und wenig gehaltvoll. Ein Kommentator gibt offen zu, dass er zu den Details nichts sagen kann. Das ist doch mal eine klare Ansage, mit der jeder Leser leben kann. Der längste Beitrag, der von den Experten Keil und Delitzsch, versucht sich in feinen und ernsthaften akademischen Dialogen mittels menschlicher Vernunftschlüsse dem historischen Kern der Erzählung zu nähern.  
Und hier setzt die Kritik mit einer Frage an die Kommentatoren an:  Habt ihr denn alle vergessen, wollte ich ihnen zurufen, dass die Bibel ein prophetisches Buch ist? Vielleicht war die Zeit noch nicht reif, dass Gott selbst einem der größten Gelehrten des Hebräischen die Tiefen seines Wortes noch nicht offenbarte. Vielleicht aber behinderte auch die enge Fokussierung auf das Wörtliche, um die wortwörtliche Inspiration den Gegnern zu belegen. Die Schau auf die Höhe und Tiefe und Länge und Breite des Erzählten geriet dadurch aus dem Fokus. Eines ist sicher, wir wissen immer noch nicht, ob der Stamm Ephraim noch in Ägypten war oder schon im Land. Es ist auch nicht geklärt, ob Philister runter oder waren es die Söhne Ephraims …  

Ich befürchte, die historischen Feinheiten werden bis zur Ankunft des Herrn auf präzise Antworten warten müssen.

Die Interpretation, die von mir vorgenommen wird, ist nur möglich durch das Wissen um die allegorisch-prophetische Dimension. Bereits durch Klartext weht, auch in 1.Chr. 7,21, der sanfte Hauch der Allegorie. Wenn wir das bei unserem Bibelstudium im Gedächtnis behalten, dann werden wir auch ohne Kenntnisse der Feinheiten hebräischer Grammatik und auch ohne genaue Kenntnisse historischer Gebräuche, Begleitumstände und anderes, die finale Botschaft, also auf welche Zeit die Geschichten deuten, erkennen und dann verstehen lernen.

Was soll der Text nun prophetisch andeuten? Die Frage lässt sich mit dem Wissen, das wir jetzt erarbeitet haben, kurz und knackig beantworten. In den letzten Tagen, in der Ephraim seinen erworbenes Eigentum in Besitz nehmen wird, wird er ermordet, d.h.,  auf alle Ephraimiter kommen aufregende Zeiten zu. Aber am Ende gehört ihnen der Himmel und die Erde.


Siehe Nachtrag: Manasses Erbe enthüllt


Zum Thema "Himmliches und irdisches Erbe" siehe auch: Das Geheimnis des Erstgeborenen




© Copyright by H. R. Rohrer;  Berlin, den 27.12. 2021
 
 
 
 
  







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